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    • 1.3 Entwicklung für Mensch und KMU im Arbeitsmarkt der Zukunft

    • Frage, die in dieser Lektion behandelt wird

      Was bedeutet diese Entwicklung für Mensch und KMU im Arbeitsmarkt der Zukunft? 

    • Es ist absehbar, dass Menschen in Zukunft mehr und mehr für das Einbringen von Softskills bzw. ihrer überfachlichen Qualifikationen am Arbeitsplatz von Unternehmen bezahlt werden. Und dass die Arbeitsverhältnisse, die sie mit Unternehmen eingehen wesentlich fließender und flexibler sein werden, als wir es heute kennen. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Remote Work, virtuelles Arbeiten, Kollaborationstools und flexible Workforces sind nur einige Stichworte, die hier zu nennen sind.


      Der Mensch und der Arbeitsmarkt der Zukunft

      Der Arbeitsmarkt der Zukunft wird von jedem Einzelnen noch mehr Eigenverantwortung abfordern, als es bisher der Fall war. Es ist grundlegender ein Mindset-Shift notwendig, um die neue Situation bestmöglich annehmen zu können. Was meine ich damit? Wenn Wissen in Tiefe und Breite, also auch ausgeprägtes Expertenwissen auf einem bestimmten Gebiet durch den Einsatz von KI-Lösungen mehr und mehr zu einem allgemeinen Gut in einem Unternehmen wird, verändert dies grundlegend die Spielregeln dessen, wie Menschen in Zukunft beruflich erfolgreich sein können. Gleichzeitig übernehmen KI-Lösungen, im ersten Schritt, nach und nach einfache, standardisierbare und wiederholbare Tätigkeiten für den Menschen, was die Veränderungen zusätzlich befeuert. Unser Mindset, wie wir diese Herausforderungen annehmen, spielt dabei eine große Rolle. Wer sich stetig weiterentwickeln will, Dinge hinterfragt und über ein breites Kontextwissen, sowie Transfer- und Anpassungsfähigkeiten verfügt, hat zukünftig und natürlich auch heute schon, klare Vorteile. Wieder kommen auch hier überfachliche Kompetenzen und Softskills ins Spiel.

      Konkret könnten die beruflichen Karrieren der Zukunft auf 4 Säulen fußen, die in unterschiedlichsten Situationen und für verschiedenste Aufgaben universell einsetzbar sind:

      • Kontext und Wissen
      • Kompetenzen und Fähigkeiten 
      • Methodensicherheit
      • Netzwerk und Kontakte 

      Das Verständnis, das IT-Experten heute von sich auf dem Arbeitsmarkt haben, ist hierfür ein guter Gradmesser. Sich selbst als Marke mit universell einsetzbaren Fähigkeiten zu begreifen und zu platzieren, ist ein wichtiger Schritt.  

      IT-Experten sind durch Ihr dynamisches Arbeitsumfeld stetig gezwungen sich weiterzubilden und weiterzuentwickeln. Gefragte Toolkompetenzen, Standards und Arbeitsgrundlagen verändern sich fortlaufend und in hoher Geschwindigkeit. Wer hier nicht mithalten kann, ist morgen auf dem Arbeitsmarkt weniger oder gar nicht mehr gefragt. Menschen in diesem Arbeitsumfeld arbeiten vornehmlich selbständig und stellen - in unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen und -kontexten - ihre Fähigkeiten, Talente und Stärken den Unternehmen zur Verfügung, für die sie arbeiten möchten. Analog hierzu findet in immer mehr Berufsbildern und Arbeitsbereichen, zumindest für gut ausgebildete Menschen, ein Shift von einem Arbeitgebermarkt zu einem Arbeitnehmermarkt statt. Für immer mehr Branchen ist dieser Shift und der viel zitierte Fachkräftemangel bereits heute Realität. Verstärkt wird diese Entwicklung zusätzlich noch durch den demographischen Wandel.

      Und dabei möchte ich Fachkräftemangel hier so definieren:

      Definition Fachkräftemangel

      Das Fehlen von spezialisierten Fachkräften, Experten und Strategen zur Einführung zukunftsgerichteter Technologien und Initiierung überlebenswichtiger Projekte zur notwendigen Weiterentwicklung des Unternehmens, um es für das digitale Zeitalter wettbewerbsfähig zu machen und zu halten.


      Das KMU und der Arbeitsmarkt der Zukunft

      Unternehmen verfügen in Zukunft grundlegend über nur noch zwei Alleinstellungsmerkmale:

      1. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Kompetenzen und Fähigkeiten.
      2. Ihre Daten, also sowohl ihre Prozessdaten, als auch ihre Kundendaten, welche das Wissen über und die Beziehung zu ihren Kunden widerspiegeln. 

      Eine solche Organisation ist von der Software und Ihrer Kundenbasis und nicht klassisch vom Produkt bzw. dem eigenen Angebot aus erdacht und aufgebaut.

      Ein prominentes und aktuelles Beispiel ist Tesla vs. die traditionellen Autobauer.

      Tesla vs. die traditionellen Autobauer

      Wurde Tesla vor knapp zwei Jahren noch wegen seines Spaltmaßes von deutschen Ingenieuren und Automanagern belächelt, hat sich der Wind komplett gedreht. Auf einmal stehen Software, Daten, IT-Hardwarekomponenten, die Möglichkeit von KI-gesteuertem autonomen Fahren sowie Automatisierung in der Fertigung und allgemein schnelle Programmiererfolge im Vordergrund. Es entsteht ein Auto von der Software aus gedacht und gebaut. Kundenseitig betrachtet könnte überspitzt gesagt werden, dass Tesla keine Autos verkauft, sondern eine lebenslange stetige Beziehung zu seinen Kunden etabliert, die sich durch das permanente Liefern von Wert im Auge des Kunden auszeichnet. Es ist lediglich Zufall, dass dieser Wert durch ein Auto vermittelt wird.

      Das perfekte Spaltmaß mag zwar deutsche Ingenieure begeistern, nicht aber die Kunden der Zukunft. Denen ist es verstärkt wichtig, was im Cockpit des Commodity-Produktes Auto steckt und wie der Kunde möglichst komfortabel und nachhaltig von A nach B kommt. Usability und Convenience-Vorteile durch vernetzte Software und Automatisierung stehen im Fokus. Die traditionellen Autobauer haben keine andere Wahl als diesen Kundenwünschen hinterher zu laufen und sich im Kern zu Softwareunternehmen zu wandeln. Überspitzt könnte man sagen, dass die Industriekönige von heute die Werkbänke von morgen sind, sollte Ihnen dieser Wandel nicht gelingen. Dabei haben sie größtenteils den Vorteil über die finanzielle Basis zu verfügen, um in den späten Umstieg investieren zu können. Trotz dessen ist nicht gesichert, ob der Wandel gelingt. Der ein oder andere Zusammenschluss könnte unvermeidlich sein. [1]

      Dieses Beispiel zeigt, dass die traditionellen Autobauer im Vergleich zu Tesla massive Probleme bei der Suche nach den benötigten IT-Talenten haben und ihnen gleichzeitig nennenswerte Datensätze fehlen. Sie verfügen somit über kein Alleinstellungsmerkmal der Zukunft.

      Der nötige Umbau der Organisationsstrukturen und vor allem der Kulturwandel, um die dringend benötigten Talente anzuziehen, stellen für alle Unternehmen dieses Sektors in Zukunft ein Mammutprojekt dar. Zusätzlich offeriert Tesla noch eine inspirierende Zukunftsvision im übertragenen Sinne: „Emissionsfreie, bezahlbare Mobilität für jedermann“. Und diese Vision ist aktueller denn je im Jahr 2020.

      Da als KMU zumeist mit der Zahlkraft größerer Player nicht konkurriert werden kann, sind andere Denkrichtungen nötig, u.a. in Bezug auf die eigenen Werte.

      Selbstreflexionsaufgabe

      Nehmen Sie sich etwas Zeit, um über die folgenden Fragen nachzudenken. Notieren Sie sich Ihre Antworten gerne auf einem Blatt Papier.

      • Für welche Werte und Prinzipien steht mein KMU?
      • Wie ziehe ich Menschen an, die die gleichen Werte vertreten und die für die gleichen Grundsätze eintreten, für die unser KMU steht, um die dringend benötige Expertise für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens im Haus zu haben? 

      Die Entwicklung einer Zukunftsvision ist dabei ein guter Startpunkt. Sie kostet erst einmal nichts und es gibt Druck auf KMU von gleich zwei Seiten:

      Auf der einen Seite die teilweise Neudefinition von Arbeit, durch den Einzug von KI-Lösungen an den Arbeitsplatz und eine gut ausgebildete Workforce, die sich mehr und mehr als eigene, unabhängige Marke begreift und positioniert. Dies trifft natürlich nicht auf alle Menschen gleichermaßen zu. Allerdings genau auf die Menschen, die ein KMU zukünftig dringend benötigt. Und diese Menschen suchen eher nach einem Sinn in ihrer Arbeit als andere.

      Denn auf der anderen Seite drückt die fortschreitende Veränderung der eigenen Geschäftsgrundlage, auch oft allgemein digitaler Wandel genannt. Die im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel vor einem KMU liegenden Aufgaben sind komplex und haben eine immer stärker werdende Dringlichkeit.

      Visionen sind nicht Tesla oder anderen Stars der Szene vorbehalten. Auch KMU können ihre eigene Vision entwickeln und daraus die Zukunft des Unternehmens ableiten. Zugleich werden sie hierdurch wesentlich attraktiver für einen Menschen, der nach dem Sinn in seiner Arbeit sucht. Mit Menschen, die lediglich Zeit gegen Geld eintauschen, werden die komplexen Herausforderungen schwer zu bewältigen sein.

      Checkliste

      Um der Perspektive dieses neuen Arbeitsmarktes proaktiv zu begegnen, sind folgende Fragen für KMU als Denkanstoß ein guter Ausgangspunkt:

      • Wie sieht meine Organisationsstruktur aus, wenn meine beiden Alleinstellungsmerkmale Menschen und Daten sind?
      • Wie formuliere ich eine begeisternde Zukunftsvision, um die benötigten Talente für mein Unternehmen zu gewinnen?
      • Welche Partnerschaften kann ich knüpfen und welche alternativen Wege kann ich gehen, wenn ich die benötigten Talente nicht oder nicht schnell genug auf dem Arbeitsmarkt anziehen kann?
      • Wie begeistere ich meine aktuellen Mitarbeiter für diese Zukunftsvision, um sie auf dem Weg des Wandels emotional und sozial bestmöglich abzuholen und mitzunehmen?
      • Wie schaffe ich Rahmenbedingungen, die Menschen dazu motiviert, lebenslange Weiterentwicklung zu praktizieren?
      • Wie erzeuge und kommuniziere ich die Dringlichkeit für die angestrebten und anstehenden Veränderungen?
      • Wie komme ich weg von Kontrollieren und Führen, hin zu Eigenverantwortung und Teamwork?
      • Wie schaffe ich Incentives für Schlüsselspieler*innen im Unternehmen, um notwendige Entscheidungen zu priorisieren und zu verteidigen, die höchstwahrscheinlich über deren eigene Wirkungszeit im Unternehmen hinausgehen, auch wenn diese das aktuelle Geschäft negativ beeinflussen können?
      • Wie stelle ich sicher, dass sämtliches strategisches und operatives Handeln in meinem Unternehmen einen direkten, glaubwürdigen Bezug zur Zukunftsvision hat?

      Auch wenn die beschriebenen Umstände für manches KMU auf den ersten Blick etwas befremdlich und „weit weg“ erscheinen mögen, lohnt es sich, sich mit der größten Umwälzung, seit der Erfindung der Dampfmaschine und ihren Folgen eingehend zu beschäftigen. Falls es hilft, nutzen Sie diese Lektion der Geschichte und lesen Sie nach, welche einschneidenden Veränderungen hierdurch erfolgten und welches Chaos in der Übergangszeit für Mensch und Unternehmen herrschte. Vergleicht man diese Entwicklung mit dem heutigen Einstieg von KI-Lösungen in den Arbeitsalltag und führt sich vor Augen, dass die Geschwindigkeit um ein Vielfaches höher ist, bekommt man eine Ahnung von der Dynamik der Entwicklung, auch wenn diese nicht täglich spürbar ist.


      Abbildung: Eigene Darstellung


      Was bedeuten diese Entwicklungen für das KMU der Zukunft?

      In der vergangenen Lektion haben wir viel Kontext und Wissen aufbauen können, um den anfänglich formulierten zentralen Fragestellungen dieser Lektion näher zu kommen. Im Folgenden nun noch einmal zusammengefasst in 5 Stichpunkten.

       Die Top 5 Take Aways aus dieser Lektion:

      1. KI-Lösungen und Menschen haben sehr unterschiedliche und gegensätzliche Stärken und Schwächen. Sie bilden ein komplementäres Team.
      2. Rücken Sie den Menschen mit seinen Stärken und Schwächen in den Mittelpunkt des Unternehmens. Es braucht hier ein Mehr an Leadership und Weiterentwicklungsangeboten, aber kein Mehr an Management.
      3. Leiten Sie einen langfristigen, wertebasierten Kulturwandel ein, um die Toptalente von morgen, die Sie dringend brauchen, langfristig für Ihr KMU begeistern zu können.
      4. Der Kunde entscheidet über Ihr Angebot (Produkte und Dienstleistungen) von morgen. Hören Sie sich seine Probleme an und entwickeln Sie passende Lösungen.
      5. Beginnen Sie für mehr Geschwindigkeit und Flexibilität Ihr KMU von der Software aus zu denken. Werden Sie sich der Dringlichkeit des Wandels auf allen Ebenen bewusst und handeln Sie proaktiv. Sonst tut es jemand anderes für Sie.