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    • 1.4 Gesellschaftliche und Ökonomische Bedeutung Künstlicher Intelligenz

      Laut einer Studie des McKinsey Institutes, sind aktuelle Technologien in der Lage, 50% der Aktivitäten, für die Menschen normalerweise bezahlt werden, zu übernehmen. Nicht nur Arbeitnehmer werden sich auf diese Entwicklung einstellen und neue Fähigkeiten erlernen müssen: Auch die Politik steht in der Verantwortung die Versorgung der Gesellschaft zu sichern. KI könnte eine Revolutionierung des Arbeitslebens bedeuten, wie zuletzt die industrielle Revolution zum Anfang der Moderne.

      Das McKinsey Institut hat in dieser Studie eine Simulation durchgeführt, die zeigt, dass 2030 etwa 70 Prozent aller Unternehmen mindestens eine Art von KI-Technologie einsetzen werden (z.B. Intelligente Bilderkennung, Intelligente Spracherkennung, virtuelle Assistenten, Robotik, verschiedene Machine Learning Verfahren etc.).

      Darüber hinaus hat Künstliche Intelligenz das Potenzial, bis 2030 eine zusätzliche globale Wirtschaftsleistung von rund 13 Billionen Dollar zu erbringen, was ca. 16 % mehr kumulatives BIP im Vergleich zu heute entspricht. Bei dieser aktuellen Entwicklung ist klar, dass sich KI-Unternehmen auf der Überholspur befinden, denn bis 2030 könnten sie ihren Cashflow potenziell verdoppeln (wirtschaftlicher Nutzen abzüglich der damit verbundenen Investitions- und Übergangskosten). Unternehmen, die KI nicht verwenden, können bei gleichbleibenden Kosten- und Ertragsmodellen, einen Rückgang ihres Cashflows um rund 20 % gegenüber dem heutigen Niveau erwarten.

      Generell ist global feststellbar, dass mittlerweile nicht mehr nur die Privatwirtschaft auf Künstliche Intelligenz setzt, sondern auch sukzessive mehr Regierungen in diese Technologie investieren. So investiert die USA jährlich 1,3 Milliarden Euro in Grundlagenforschung im Bereich KI. Auch wenn noch keine offizielle Strategie von Trumps Regierung vorliegt, hat das Verteidigungsministerium 2017 6,3 Milliarden Euro für KI ausgegeben und kurbelt so den Markt an. (Quelle: Vergleich nationaler Strategien zur Förderung von Künstlicher Intelligenz - Teil 1 S. 8) Aufgrund der liberalen Marktwirtschaft der USA basiert KI-Entwicklung allerdings in erster Linie auf privaten Unternehmen, wie den Big 5 und der dynamischen Startup-Kultur.

      China plant bis 2030 die führende KI-Nation der Welt zu werden und legt dafür als einziges Land messbare volkswirtschaftliche Ziele fest. Die USA sind China im Forschungsbereich noch überlegen, jedoch zeigt Chinas Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte, wie rasant die Weltmacht eine Entwicklung beschleunigen kann. So investiert China nach den USA insgesamt das meiste Geld für F & E. (Quelle: Vergleich nationaler Strategien zur Förderung von Künstlicher Intelligenz - Teil 1 S. 20) Allein die Stadt Tianjin hat einen Fond von 12,8 Milliarden Euro für KI-Förderung aufgelegt. Zudem will Peking für KI relevante Hardware mit 16,4 Milliarden Euro fördern (Quelle: Vergleich nationaler Strategien zur Förderung von Künstlicher Intelligenz - Teil 1 S. 8).

      Analog zum von Trump verkündeten Trade War und den steigenden Tarifen für Produkte aus China, erkennt Elsa B. Kania (Center for Securiy and Emergin Technology) wachsende Rivalität zwischen den USA und China, die sich besonders im Bereich KI und deren staatlichem und militärischem Einsatz abzeichnet (Quelle: politico.com).

      Weit weniger investieren dagegen Japan (140 Milliarden € im Jahr 2016) und Großbritannien (1 Milliarde € im Jahr 2018) in die Forschung im Feld der Künstlichen Intelligenz (Quellen: Vergleich nationaler Strategien zur Förderung von Künstlicher Intelligenz - Teil 2 S. 18 und Teil 1 S. 8). Im Vergleich dazu sind die Zahlen, der erst 2018 vorgelegten Strategie, der deutschen Bundesregierung noch kleiner: Bis 2025 sollen lediglich 3 Milliarden € investiert werden, was 600 Millionen € pro Jahr entspräche (Quelle: Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung S. 6). Um deutsche Politiker aus ihrem Winterschlaf aufzuwecken, setzte Wolfgang Schäuble daraufhin eine Enquete Kommission ein, die über Künstliche Intelligenz informiert.

      Jedes zweite deutsche Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern gibt an, dass Künstliche Intelligenz eine große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft hat. Deswegen ist es dringend nötig, dass die deutsche Regierung in diesem Feld nachzieht. Hinzu kommt, dass bis dato ca. 15% deutscher KMU das Potenzial von Künstlicher Intelligenz nutzen, was ebenfalls ein Risiko für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit darstellt (Quelle: Studie: Potenziale der künstlichen Intelligenz im produzierenden Gewerbe in Deutschland). Allerdings gibt es spätestens seit 1988 mit der Gründung des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (800 Mitarbeiter) Institute, die an der Speerspitze der KI-Forschung stehen, deren Know-How darauf wartet in deutsche Wertschöpfungsketten eingegliedert zu werden.

      Alternative politisch-ökonomische Ansätze nehmen die Gefahr der sinkenden Beschäftigung durch Künstliche Intelligenz war und legen Modelle vor, welche ein nötiges Grundeinkommen sichern. Neben höheren Ausgaben für Sozialleistungen genießt auch die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens, das z.B. durch einen eigenen Verein vertreten wird, wachsende Popularität. Dies sei gerade bei der aktuellen Entwicklung der Industrie 4.0 sinnvoll, denn es solle den Arbeitnehmer, der bei der Umstrukturierung einen Verlust erleide, vor Armut oder Ähnlichem schützen.